21. Mai 2019

Digitalisierung der Arbeit im Gesundheits- und Sozialsektor: Formen, Spannungsfelder und Gestaltungsherausforderungen

Digitalisierung ist seit mehreren Jahren das neue Schlagwort. Es steht für Offenheit, Modernität und die Beschäftigung mit aktuellen und dringenden Fragen von Wirtschaft und Gesellschaft. Von der Wirtschaft über Politik und Recht bis hin zur Bildung – Digitalisierung erscheint in allen Bereichen aktuelle Notwendigkeit. Dies ist auch für die Arbeitswelt zu konstatieren. Mit dem Begriff der „Industrie 4.0“ werden Chancen für die Gestaltung industrieller Arbeit postuliert, zugleich werden Risiken und Krisenszenarien angeführt, die im Konnex mit „digitalem Despotismus“ (Pfeiffer) die technikinduzierte Disruption von Sozialität und die Entwertung oder gar Ablösung menschlicher Arbeitskraft aufwerfen. Auch in den Gesundheits- und Sozialsektor halten digitale Technologien zunehmend Einzug. Die charakteristischen Eigenschaften sozialer Dienstleistungsarbeit führen zu kontroversen Debatten um den Nutzen und die Folgen digitaler Technik für Arbeitsplätze, Arbeitsprozesse, für Qualifikationen und Kompetenzen der Beschäftigten. So scheint die mit der Digitalisierung vielfach verknüpfte Anforderung der Standardisierung zunächst im Gegensatz zur situativen Handlungslogik vieler professionell Tätiger in interaktiven Arbeitskontexten zu stehen. „Menschlichkeit“, „Patienten-, Bewohner- und Klientenorientierung“ sind in der sozialen Arbeit nicht nur normative Leitorientierung, sondern konstituierend für den Kern professionellen Handelns und des professionellen Selbstverständnisses. Zudem ist bislang unklar, ob und unter welchen Rahmenbedingungen digitale Technik einen Beitrag zur Aufwertung und Entlastung der Beschäftigten leisten kann, wo neue Berufe entstehen oder wie bestehende Berufe sich verändern. Zugleich darf der Trend zur Digitalisierung in den vielfältigen sozialen und gesundheitsbezogenen Dienstleistungen und Arrangements jedoch nicht verpasst werden. Obwohl Technologisierung, Informatisierung und Mediatisierung (auch) in einigen Arbeitsfeldern des Gesundheits- und Sozialsektors schon lange gegenwärtig sind, scheinen die Formen und Funktionen digitaler Technik sowie die Folgen für die Arbeit noch offen zu liegen und aus wissenschaftlicher wie praktischer Sicht diskussionswürdig. Die Tagung greift diese aktuellen Debatten auf und reflektiert Narrative, Erscheinungsformen, Folgen und Anforderungen digitaler Technologien für die Arbeit im Sozial- und Gesundheitssektor.

Die Veranstaltung findet im Rahmen des Netzwerks Arbeitsforschung NRW statt und wird gemeinsam mit dem Institut Arbeit und Technik (IAT) aus Gelsenkirchen und dem Institut Arbeit und Qualifikation(IAQ)aus Duisburg organisiert.

Weitere Informationen und die Möglichkeit zur Anmeldung folgen in Kürze.