03. Juli 2017

Dokumentation: Vorbeugende Sozialpolitik - Die Rolle der Bundesländer im „Sozialinvestitionsstaat“

Fachtagung der Sektion Sozialpolitik der DGS in Kooperation mit dem Forschungsinstitut für gesellschaftliche Weiterentwicklung (FGW)

05.05.2017, 11.00- 17.00 Uhr, Düsseldorf

Vorbeugende Politikansätze gewinnen im Bereich der Sozialpolitik zunehmend an Bedeutung. So fordert die EU-Kommission im Rahmen ihres 2013 initiierten „Sozialinvestitionspakets“ (Social investment package) die Mitgliedsstaaten explizit auf, verstärkt in lebenslaufbegleitende und präventiv ausgerichtete Leistungen und Dienste zu investieren, die die Fähigkeiten und Qualifikationen der Menschen stärken. Auch in der deutschen Sozialstaatsdebatte besteht mittlerweile ein parteiübergreifender Konsens über die Notwendigkeit, den deutschen „Sozialversicherungsstaat“ durch verstärkte Investitionen in soziale Dienstleistungen und Infrastrukturen insbesondere für die frühen Lebensphasen zu ergänzen.

Vorbeugende Sozialpolitik als integrierter strategischer Ansatz richtet sich dabei der Intention nach auf den gesamten Lebenslauf „von der Wiege bis zur Pflege“; im Kern geht es um eine stärker biografieorientierte und bereichsübergreifende Verzahnung der bestehenden Unterstützungs- und Fördersysteme, die nicht nur inhaltliche Neujustierungen, sondern auch neue Formen ressort-, professions- und rechtskreisübergreifender Kooperation und Vernetzung erforderlich macht.

Viele relevante Handlungsfelder einer vorbeugenden Sozialpolitik fallen im deutschen föderalen System ganz oder zumindest teilweise in den Aufgaben- und Kompetenzbereich der Bundesländer. Die Fachtagung, die sich sowohl an Wissenschaftler_innen wie auch an interessierte Praktiker_innen aus Kommunen, Verbänden, Politik und Verwaltung richtet, nimmt daher die in der Sozialpolitikforschung oftmals eher unterbelichtete Rolle der Bundesländer im Mehrebenensystem der deutschen Sozialpolitik in den Blick. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage nach den Gestaltungsspielräumen und Innovationspotenzialen der Landespolitik im Hinblick auf die Konzeption und Umsetzung einer vorbeugenden, lebenslauforientierten und „sozialinvestiven“ Sozialpolitik. Inwiefern hat sich das Leitbild der „Sozialinvestition“ in einzelnen Bundesländern bereits in konkreten Maßnahmen und Programmen oder sogar in dauerhaften Strukturveränderungen niedergeschlagen? Lassen sich hier innovative Politikansätze im Sinne einer kohärenten, aktiv gestaltenden und präventiv ausgerichteten Politik identifizieren? Welche Kooperationsmuster ergeben sich hier zwischen Bund, Land und Kommunen? 

 

Vorträge
(Bitte klicken Sie für Ansicht der Folien auf den jeweiligen Vortrag)

Dr. Antonio Brettschneider (FGW): Vorbeugende Sozialpolitik- Konturen eines Forschungsprogramms

Prof. Dr. Tanja Klenk (Uni Kassel): Arrangements vorbeugender Sozialpolitik- Konzeption und Umsetzung auf Ebene der Bundesländer

Prof. Dr. Katharina Böhm, Jonas Weidtmann (Uni Bochum), Dorothea Klinnert (Uni Mainz): Die Umsetzung des Präventionsgesetzes in den Bundesländern

Prof. Dr. Johannes Schädler (Uni Siegen): Pfadabhängigkeiten als (un)überwindbare Restriktionsfaktoren für Modernisierungsansätze in der Sozialen Rehabilitation von Menschen mit Behinderungen?

Dr. Peter Bleses (IAW Bremen), Prof. Dr. Silke Bothfeld (HS Bremen), Petra Kaps (ZEP Berlin): Soziale Dienstleistungen ‚vor Ort’: Zwischen Politikverflechtung, Finanzierungsproblemen und Zielverfehlung