08. Januar 2018

Dokumentation des Tracks "Partizipation, Inklusion und Interessenausgleich in nordrhein-westfälischen Stadtgesellschaften"

Viele Regionen in NRW, vor allem Städte des Ruhrgebietes, des bergischen Städtedreiecks, der ehemaligen Textilindustrie und auch die Städte entlang der Rheinschiene waren in den letzten Jahrzehnten von einem tiefgreifenden Strukturwandel betroffen. Obwohl der wirtschaftliche Wandel in vielen dieser Städte erfolgreich war, konnten nicht alle Bevölkerungsgruppen gleichermaßen von den Anpassungsprozessen profitieren. Hohe Arbeitslosigkeit, mangelnde Integration zugewanderter Gruppen sowie Erwerbs- und Bildungsarmut führen zu einer wachsenden Kluft zwischen Arm und Reich, die sich in Form ausgeprägter Segregationstendenzen in den städtischen Räumen widerspiegelt. Sozialräumliche Problemlagen und der Sparkurs der letzten Jahre belasten die Kommunalfinanzen und reduzieren die kommunale Steuerungsfähigkeit.

Eine Lösung dieser Probleme kann nur über ein deutliches Mehr an Integration, Partizipation und Interessenausgleich auf kommunaler Ebene gelingen. Um diese universalistischen Werte in einer Stadtgesellschaft wieder zu stärken, muss auf allen Politikebenen das strategische Ziel "Ungleiches ungleich behandeln" verfolgt werden. Dies betrifft sowohl räumliche (Quartiere) als auch personelle und institutionelle Ungleichheiten. Eine Durchsetzung dieses Grundsatzes kann gelingen indem man zeigt, dass bestehende Ressourcen durch bessere Steuerung noch gezielter und effizienter genutzt werden können.

Gegenstand des Tracks waren u.a. folgende Fragestellungen:

  • Wie kann man bestehende Ressourcen hierzu koordinierter und konzentrierter einsetzen (Überwindung des "Silo-Denkens")?
  • Wie lässt sich bei knappen Ressourcen die Präventionsmaxime besser durchsetzen ("Nah dran ist früh dran")?
  • Wie lassen sich knappe Ressourcen durch Monitoring und Evaluation noch effektiver einsetzen ("Statistik als strategische Ressource")?
  • Wie können mehr Partizipation und Bürgerbeteiligung hierbei helfen?

Der Track wurde geleitet von Martin Hennicke und Jan Üblacker (FGW ISE). 

Vorträge

Volker Kersting (ZEFIR): Neuere Befunde zur sozialen, räumlichen und politischen Spaltung in NRW

Francesca Adam (RWTH Aachen): Normalität nach der Krise? Unterbringung und Integration von Geflüchteten in nordrhein-westfälischen Städten

Svenja Grzesiok (VdW Rheinland-Westfalen): Integrierte Quartiersentwicklung ist Gemeinschaftsaufgabe! Herausforderungen und Potenziale quartiersbezogener Governance

Nora Jehles (Familiengerechte Kommune e. V), Hanna Münstermann (Bertelsmann-Stiftung): Sozialräumliche Berichterstattung in Kommunen mit dem KECK-Atlas

Andrea Schumacher (Stadt Neuss): Kommunales Potenzial-Monitoring

Prof. Dr. Sören Petermann, Katharina Yaltzis (Ruhr Universität Bochum): Umfeld, Wohlbefinden und Entwicklung von Kindern und Jugendlichen: Das Monitoring Instrument "Wie geht's dir? UWE"

Till Knoche (Kreisstadt Unna): Partizipation, Inklusion und Interessenausgleich am Beispiel der Kreisstadt Unna

Prof. Dr. Harald Rüßler, Dr. Annette Krön (HS Dortmund): Partizipative Quartiersentwicklung unterstützt eine inklusive Stadtentwicklung

Dr. Ann-Marie Krewer, Marieke Vomberg (HS Niederrhein): Inklusiver, partizipatorischer Begleitprozess zur Vorbereitung der ISG Bahnhofsstraße in Leverkusen